Damals

Die Quelle, auf die ich zurückgreifen konnte, war das Buch „Wachtberg – Alte Bilder einer jungen Gemeinde“, herausgegeben 1982 vom damaligen Gemeindedirektor der Gemeinde Wachtberg, Fred Münch. Bevor 1969 die Großgemeinde Wachtberg gegründet wurde, gab es kleinere Dörfer, die, wie z.B. die Ortschaft Ließem, in Bürgermeistereien zusammengefaßt waren. Im „Drachenfelser Ländchen“, damals von den Burgherren des Schlosses Drachenfels so benannt, gab es die Bürgermeisterei
Villip mit ihren 4 Pfarreien:


1. Niederbachem
2. Oberbachem, Gimmersdorf und Ließem
3. Berkum mit Burg Odenhausen,
Pissenheim und Züllighoven
4. Villip mit Holzem und Burg Gudenau sowie Pech


Die Burggrafen von Drachenfels besaßen die Grundherrschaft und Gerichtsbarkeit im „Terrula drachenfelsiensis“. Nachweislich gibt es Urkunden aus dem Jahre 798 n. Chr., die besagen, daß Römer im „Ländchen“ gewohnt haben.
Ein Zeitzeuge, der im Buch seine Erinnerungen schilderte, war Johannes Köllen, in den sechziger Jahren Bürgermeister der Gemeinde Ließem. Nach ihm und seinem Bruder Toni wurde das Neubaugebiet in Ließem benannt. Auf Fotos aus dem Jahr 1974 sieht man die Gebrüder Köllen in ihrer fränkischen Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert. Vor dem Köllenhof entstand 1974 die K 14, sichtbare Trennung des Neubauviertels vom alten Ortskern.

Heute dient die Hofanlage als kulturelle Begegnungsstätte. Bewirtschaftet wurde der Hof mit Vieh, Obst und Getreide. Der Fußball spielte in den frühen Jahren um 1910 keine große Rolle in Ließem. Spiele wie „Klicker“ und „Ballplätsche“, eine Art Straßen-Hockey, waren unter den Jugendlichen angesagt. Und der einzige Spielplatz war der Schulhof. Die Schule gab es erst seit 1906. Die ersten Lehrer hießen Esser und Rieck. Ließem hatte damals gerade mal 250 Einwohner. Das einzige Großereignis war die jährliche Kirmes. Nahezu täglich traf man sich am Brunnen an der Marienstraße

und tauschte dort Neuigkeiten aus. Zwischen Bauernhöfen und der neugotischer Kapelle, die 1888 vom Ließemer Pfarrer Gottfried Köllen, ein Großonkel der Gebrüder Köllen, gestiftet wurde, spielte sich das dörfliche Leben ab.

Erst in den späten dreißiger Jahren gab es eine Busanbindung nach Bad Godesberg. Das Dorf bot bis dahin alles, was zum Leben nötig war. Dazu gehörten in den zwanziger Jahren neben der Schule und Kapelle ein Schmied (Hohler Weg), ein Schuster, ein Tante-Emma-Laden und die Gastwirtschaft Schlieber. Ansonsten wurde Nachbarschaftshilfe

groß geschrieben. Als ersten Verein in Ließem gründete Lehrer Rieck einen gemischten Chor, der auf Hochzeiten und Dorffesten auftrat. Später kamen der Schützenverein und ein Taubenzüchterverein hinzu.

Der Fußball

Die Fußballbegeisterung im Ort erreichte ihren ersten Höhepunkt mit der WM 1974. Als 1974 in München die Bundesrepublik Deutschland 20 Jahre nach dem „Wunder von Bern“ zum zweiten Mal Fußballweltmeister wurde (mit 2:1 gegen starke Holländer), formierte sich der TuS Ließem

und ließ fortan ein neues Fest stattfinden: das Ließemer Bolzplatzfest! Sportlicher Höhepunkt schon damals die Jugendspiele.

Und das Bier war erschwinglich, kostete doch 1 Glas 0,3 gerade mal eine Mark. Etwas mehr durfte es dann schon bei den Dorffesten im Zelt des THW auf dem Parkplatz an der Marienstrasse sein: 1,50 DM für 0,3l.

Dafür gab es ein vielfältiges Programm. Die Hauptstraße war 4 Tage lang (Oh Wunder!) für den Verkehr gesperrt. Und im Zelt wurde ausgiebig getanzt. Das THW deklarierte den Zeltaufbau als Notfall-Übung und überließ den Ließemern das Festzelt kostenlos. Lediglich eine Versicherungsprämie war fällig.
Im Juni 1985 bildete sich eine mutige Burschenschaft im inzwischen 2000 Einwohner zählenden Ort und gründete praktisch den Vorläufer zum SC Liessem: den „FSG Rote Hose Liessem“. Erster Coach war Klaus Bungert. Zu den Vereinsgründern zählten schon damals Uli Bogusch und Georg Ausserhofer. FSG stand für „Fröhliche Sportgemeinschaft“. Und Fröhlichkeit stand an erster Stelle. Es flogen flotte Sprüche und auch manchmal ein Kölschglas. Das tat der Sache aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: des Deutschen liebster Fußballgegner, die Holländer, traten zu regelmäßigen Begegnungen mit den „Roten Hosen“ in Berkum oder im fernen Uetrecht an.
Inzwischen sprachen sich die Aktivitäten in Ließem bis ins ferne Brasilien herum. Als 1988 der damalige brasilianischer Minister für Tourismus im Bonner Presseclub weilte, schrieb er spontan und höchst amüsiert eine Grußbotschaft für die „Roten Hosen“ Es war kein geringerer als PELÉ, für viele der beste Fußballspieler der Welt. Lange Jahre hing diese Widmung über dem Eingangsbereich zur „Schlieber-Ranch“. Sportlich holte der junge Verein diverse Pokale, insbesondere in der Halle.

1990 wurde Deutschland in Rom zum dritten Mal Fußballweltmeister (mit 1:0 durch Andy Brehme gegen Argentinien). Anlaß genug, einen „richtigen“ Fußballverein zu gründen: den SC Liessem ´90. Peter Paffen als Trainer bildete mit „Schorsch“ Georg Ausserhofer ein ideales Gespann.

Im Gründungsjahr gelang sofort die Meisterschaft mit Aufstieg. Peter Paffen führte die 1. Mannschaft 3 Jahre lang. Die weiteren Trainer waren Bruno Frings, Jürgen Laux, Jürgen Giese, Peter Beines, Thomas Falkensteiner, Frank Habeth, Uli Bogusch, Peter Thiemeyer und Michael Schlieber. 10 Trainer in 15 Jahren. Die Heimspiele wurden anfangs in Fritzdorf durchgeführt. Dann begann eine Wanderschaft, die den jungen Verein auf die Platzanlagen nach Muffendorf, Adendorf, Villip und wieder nach Fritzdorf führten. Dadurch kam eine enge Zuschauerbildung erst gar nicht zustande. Zahlreiche sportliche Erfolge begleiteten den SCL, darunter auch diverse Turniererfolge, wie z.B. ein grandioser Sieg eines Turnieres der „Bild am Sonntag“ in Kerpen. Im Juli 1999 wurde der Welt- und Europameister und jetzige ARD-Fußballexperte Günter Netzer auf den Verein aufmerksam. Er gab in der Bonner Telekom-Zentrale eine Widmung zum Aufstieg für den

SCL zu Papier.

2006 gibt es wieder ein Fußballfest in Deutschland. Nicht auszudenken, wenn der Wunsch von Jürgen Klinsmann Wirklichkeit werden sollte: Deutschland zum 4. Mal Weltmeister!
Was wird dann in Ließem passieren? Noch ein Fußballverein?

 

Clemens-Christian Makosch, Juni 2005

Anschrift:

Lannesdorfer Str. 1
53343 Wachtberg

Tel.: 0228 / 34 83 94

E-Mail:

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